Hänsel and Gretel: A Fairy Opera in Three Acts — Reading Companion
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iblikör! Rallalala, rallalala, Mutter, schau, was ich bescheer!
(_Giebt ihr einen derben Schmatz._)
MUTTER (_sich die Augen reibend_).
Hoho!-- Wer spek--spektakelt mir da im Haus und rallalakelt aus dem Schlaf mich heraus?
Das tolle Tier, im Magen hier, das bellte so, das glaube mir! Rallalala, rallalala, Hunger ist ein tolles Tier. Rallalala, rallalala, beisst und kratzt, das glaube mir!
So, so! Das tolle Tier, es ist wohl schier stark angezecht--das glaube mir!
Nun ja, 's war heut ein heitrer Tag! Fandst du nicht auch, lieb' Weib?
MUTTER (_ärgerlich_).
Ach geh! Du weisst, nicht leiden mag ich Wirtshaus-Zeitvertreib!
VATER (_zu seinem Kober sich wendend_).
Auch gut! So sehen wir, wenn's beliebt, was es für heut zu schmausen giebt.
Höchst einfach ist das Speisregister der Abendschmaus--zum Henker ist er! Teller leer, Keller leer, und im Beutel ist gar nichts mehr.
Rallalala, rallalala, lustig, Mutter, bin auch noch da! Rallalala, rallalala, bringe Glück und Gloria!
(_Nimmt den Kober und kramt aus._)
Schau, Mutter! Wie gefällt Dir dies Futter?
Mann, was seh' ich? Speck und Butter! Mehl und Würste!... vierzehn Eier-- --Mann! Sie sind jetztunder teuer!-- Bohnen, Zwiebeln und--herrjeh! Gar ein viertel Pfund Kaffee!
(_kehrt den Kober vollends um. Ein Haufen Kartoffeln rollt zur Erde. Beide fassen sich am Arm und tanzen in der Stube umher_).
Rallalala, hopsassa! Heute woll'n wir lustig sein! Ja, hör nur, Mütterchen, wie's geschah!
(_Die Mutter kramt die Sachen in den Schrank ein, macht Feuer im Herd an, schlägt Eier in eine Schüssel u. s. w._)
Drüben hinterm Herrenwald prächt'ge Feste giebt's da bald, Kirmes, Hochzeit, Jubiläum, Böllerknall und gross Tedeum. Mein Geschäft kommt nun zur Blüte; dessen froh sei Dein Gemüte! Sieh! wer feines Fest will feiern, der muss kehren, schrubben und scheuern. Bot drum meine Waren aus, zog damit von Haus zu Haus: »Kauft Besen! Gute Feger! Feine Bürsten! Spinnejäger!« Sieh, da verkauft' ich massenweise meine Waren zum höchsten Preise!-- Schnell nun her mit Topf und Pfanne, her mit Kessel, Schüssel, Kanne!
Vivat hoch die Besenbinder!
Doch halt--wo bleiben die Kinder? Hänsel! Gretel!--Wo steckt der Hans? Wo er steckt? Ja, wüsste man's! Nur das weiss ich klar wie Tag, dass der Topf in Scherben lag!
Was? der neue Topf entzwei?
Und am Boden quoll der Brei!
(_mit der Faust auf den Tisch schlagend_).
Donnerkeil! So haben die Rangen Unfug wieder angefangen?
Unfug viel und Arbeit keine hatten sie getrieben alleine. Hörte schon draussen sie juchzen und johlen, hopsen und springen wie wilde Fohlen, wusste nicht, wie mir stand der Kopf, Und vor Zorn
--zerbrach der Topf. Hahahaha!
(_Beide lachen aus vollem Halse._)
Na, Zornmütterchen, nimm mir's nicht krumm, solche Zorntöpfe find' ich recht dumm! Doch sag, wo mögen die Kinderchen sein?
MUTTER (_schnippisch_).
Meinethalben am _Ilsenstein_!
VATER (_erschrocken_).
Am Ilsenstein?--Ei, juckt Dich das Fell?
(_Nimmt einen Besen von der Wand._)
Den Besen lass nur an seiner Stell.
(_lässt den Besen fallen und ringt die Hände_).
Wenn sie sich verirrten im Walde dort, in der Nacht, ohne Stern und Mond! Kennst Du nicht den schauerlich düstern Ort? Weisst nicht, dass die _Böse_ dort wohnt?
MUTTER (_betroffen_).
Die Böse? Wen meinst Du?
(_mit geheimnisvollem Nachdruck_).
MUTTER (_fährt zusammen_).
(_Zurückweichend, da der Vater den Besen wieder aufnimmt._)
Mein! Sag doch, was soll denn der Besen?
Der Besen! Der Besen! Was macht man damit? Was macht man damit? Es reiten drauf, es reiten drauf die Hexen! Eine Hex' steinalt, haust tief im Wald, vom Teufel selber hat sie Gewalt! Um Mitternacht, wann niemand wacht, dann reitet sie aus zur Hexenjagd. Zum Schornstein hinaus entschlüpft sie dem Haus; auf dem Besen, o Graus; in Saus und Braus! Über Berg und Kluft, über Thal und Gruft durch Nebelduft im Sturm durch die Luft: Ja so reiten, ja so reiten, juchheissa, die Hexen!
Ja, bei Tag, o Graus: zum Hexenschmaus ins Knisper-Knasper-Knusperhaus die Kinderlein, Armsünderlein, mit Zauberkuchen lockt sie herein. Doch übelgesinnt ergreift sie geschwind das arme Kuchen knuspernde Kind. In den Ofen, hitzhell, schiebt's die Hexe blitzschnell; dann kommen zur Stell, gebräunt das Fell, aus dem Ofen, aus dem Ofen die _Lebkuchenkinder_!
Und die Lebkuchenkinder?
Die werden gefressen!
MUTTER (_händeringend_).
O Graus! Hilf, Himmel! die Kinder! Ich halt's nicht mehr aus!
(_Rennt aus dem Hause._)
(_nimmt die Kümmelflasche vom Tisch_).
He, Alte, so wart' doch! Nimm mich mit! Wir wollen ja beide zum Hexenritt!
(_Eilt ihr nach. Der Vorhang fällt schnell._)
(_Im Hintergrunde der Ilsenstein, von dichtem Tannengehölz umgeben. Rechts eine mächtige Tanne; darunter sitzt Gretel auf einer moosbedeckten Wurzel und windet einen Kranz von Hagebutten; neben ihr liegt ein Blumenstrauss. Links, abseits im Gebüsch, Hänsel, nach Erdbeeren suchend. Abendrot._)
Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm; es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um. Sagt, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein mit dem purpurroten Mäntelein? Das Männlein steht im Walde auf einem Bein und hat auf seinem Kopfe schwarz Käpplein klein. Sagt, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein mit dem kleinen schwarzen Käppelein?
(_kommt hervor und schwenkt jubelnd sein Körbchen_).
Juchhe! Mein Erbelkörbchen ist voll bis oben; wie wird die Mutter den Hänsel loben!
Mein Kränzel ist auch schon fertig, sieh! So schön wie heute ward's noch nie!
(_Will den Kranz Hänsel auf den Kopf setzen._)
HÄNSEL (_barsch abwehrend_).
Buben tragen doch so was nicht, 's passt nur für ein Mädchengesicht.
(_Setzt ihr den Kranz auf._)
Hei, Gretel, feins Mädel! Ei, der Daus, siehst ja wie die Waldkönigin aus!
Seh ich wie die Waldkönigin aus, so reich' mir auch den Blumenstrauss!
Waldkönigin mit Scepter und Kron', da nimm auch die Erbeln, doch nasch' nicht davon!
(_Reicht ihr mit der einen Hand den Blumenstrauss, mit der andern das Körbchen voll Erdbeeren und huckt, gleichsam huldigend, vor ihr nieder. In diesem Augenblick ertönt der Ruf eines Kuckucks._)
Kuckuck! Eierschluck!
GRETEL (_schalkhaft_).
Kuckuck! Erbelschluck!
(_Holt eine Beere aus dem Körbchen und hält sie Hänsel hin, der sie schlürft, als ob er ein Ei austränke._)
HÄNSEL (_springt auf_).
Hoho! Das kann ich auch! Gieb nur acht!
(_Nimmt einige Beeren und lässt sie Gretel in den Mund rollen._)
Wir machen's, wie der Kuckuck schluckt, wenn er in fremde Nester guckt.
(_Der Kuckuck ruft abermals. Es beginnt zu dämmern._)
HÄNSEL (_greift wieder zu_).
Kuckuck! Eierschluck!
Kuckuck! Erbelschluck!
Setzest Deine Kinder aus! Kuckuck! Trinkst die fremden Eier aus! Gluckgluck!
(_Lässt sich eine ganze Handvoll Erdbeeren in den Mund rollen._)
Sammelst Erbeln schön zuhauf! Kuckuck! Schluckst sie, Schlauer, selber auf! Schluckschluck!
(_Sie werden immer übermütiger und raufen sich schliesslich um die Beeren. Hänsel trägt den Sieg davon und setzt den Korb vollends an den Mund, bis er gänzlich leer geworden. Indessen hat die Dunkelheit immer mehr zugenommen._)
GRETEL (_Hänsel den Korb entreissend_).
Hänsel, was hast Du gethan! O Himmel! Alle Erbeln gegessen, Du Lümmel! Wart' nur, das giebt ein Strafgericht, denn die Mutter, die spasst heute nicht!
Ei was, stell Dich doch nicht so an, Du, Gretel, hast es ja selber gethan!
Komm nur, wollen rasch neue suchen!
Im Dunkeln wohl gar, unter Hecken und Buchen? Man sieht ja nicht Blatt, nicht Beere mehr! Es wird schon dunkel rings umher!
Ach, Hänsel, Hänsel! Was fangen wir an? Was haben wir thörichten Kinder gethan? Wir durften hier gar nicht so lange säumen!
Horch, wie rauscht es in den Bäumen! -- Weisst Du, was der Wald jetzt spricht? »Kindlein!« sagt er, »fürchtet ihr euch nicht?«
(_Späht unruhig umher._)
Gretel! Ich weiss den Weg nicht mehr!
O Gott! Was sagst Du? den Weg nicht mehr?
HÄNSEL (_sich mutig stellend_).
Was bist Du doch für ein furchtsam Wicht! Ich bin ein Bub', ich fürchte mich nicht!
Ach, Hänsel! Gewiss geschieht uns ein Leid!
Ach, Gretel, geh, sei doch gescheit!
Was schimmert denn dort in der Dunkelheit?
Das sind die Birken im weissen Kleid.
Und dort, was grinset daher vom Sumpf?
HÄNSEL (_stotternd_).
D--d--das ist ein glimmender Weidenstumpf!
Was für ein wunderlich Gesicht Macht er soeben--siehst Du's nicht?
HÄNSEL (_sehr laut_).
Ich mach' dir 'ne Nase, hörst du's, Wicht?
GRETEL (_ängstlich_).
Da, sieh', das Lichtchen--es kommt immer näh'r!
Irrlichtchen hüpfet wohl hin und her! Gretel, Du musst beherzter sein-- wart, ich will einmal tüchtig schrein!
(_Ruft durch die hohlen Hände._)
(_Die Kinder schmiegen sich erschreckt aneinander._)
(_Die Kinder schaudern zusammen._)
Hast Du's gehört? 's rief leise: Ja! Hänsel, sicher ist jemand nah'! (_weinend_:) Ich fürcht' mich, ich fürcht' mich!--O wär' ich zu Haus! Wie sieht der Wald so gespenstig aus!
Gretelchen, drücke Dich fest an mich! Ich halte Dich, ich schütze Dich!
(_Ein dichter Nebel steigt auf und verhüllt den Hintergrund gänzlich._)
Da kommen weisse Nebelfrauen, sieh', wie sie winken und drohend schauen. Sie schweben heran! Sie fassen uns an! (_schreiend_:) Vater! Mutter!
(_Eilt entsetzt unter die Tanne und verbirgt sich, auf die Kniee stürzend, hinter Hänsel. In diesem Augenblicke zerreisst links der Nebel; ein kleines graues Männchen, mit einem Säckchen auf dem Rücken, wird sichtbar._)
Sieh' dort das Männchen, Schwesterlein! Was mag das für ein Männchen sein?
SANDMÄNNCHEN (_nähert sich mit freundlichen Gebärden den Kindern, die sich allmählich beruhigen, und wirft ihnen während des Folgenden Sand in die Augen_).
Der kleine Sandmann bin ich -- s-t! und gar nichts Arges sinn ich -- s-t! Euch Kleinen lieb ich innig -- s-t! bin euch gesinnt gar minnig -- s-t! Aus diesem Sack zwei Körnelein euch Müden in die Äugelein; die fallen dann von selber zu, damit ihr schlaft in sanfter Ruh. Und seid ihr fein geschlafen ein, dann wachen auf die Sterne, und nieder steigen Engelein aus hoher Himmelsferne und bringen holde Träume. Drum träume, Kindchen, träume!
(_Verschwindet. Völlige Dunkelheit._)
HÄNSEL (_schlaftrunken_).
Lass uns den Abendsegen beten!
(_Sie kauern nieder und falten die Hände._)
Abends, will ich schlafen gehn, vierzehn Engel um mich stehn, zwei zu meinen Häupten, zwei zu meinen Füssen, zwei zu meiner Rechten, zwei zu meiner Linken, zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken, zweie, die mich weisen zu Himmelsparadeisen.
(_Sie sinken aufs Moos zurück und schlummern Arm in Arm verschlungen alsbald ein._)
(_Plötzlich dringt von obenher ein heller Schein durch den Nebel, der sich wolkenförmig zusammenballt und die Gestalt einer in die Mitte der Bühne hinabführenden Treppe annimmt. Vierzehn Engel, die kleinsten voran, die grössten zuletzt, schreiten paarweise, während das Licht an Helligkeit zunimmt, in Zwischenräumen die Wolkentreppe hinab und stellen sich, der Reihenfolge des Abendsegens entsprechend, um die schlafenden Kinder auf, das erste Paar zu Häupten, das zweite zu Füssen, das dritte rechts, das vierte links; dann verteilen sich das fünfte und sechste Paar zwischen die übrigen Paare, so dass der Kreis der Engel vollständig geschlossen wird. Zuletzt tritt das siebente Paar in den Kreis und nimmt als »Schutzengel« zu beiden Seiten der Kinder Platz, während die übrigen sich die Hände reichen und einen feierlichen Reigen um die Gruppe aufführen. Indem sie sich zu einem malerischen Schlussbilde ordnen, schliesst sich langsam der Vorhang._)
(_Scene wie vorhin. Der Hintergrund noch von Nebel verhüllt, der sich während des Folgenden langsam verzieht. Die Engel sind verschwunden._)
(_Früher Morgen. Taumännchen tritt auf und schüttelt aus einer Glockenblume Tautropfen auf die schlafenden Kinder; diese beginnen sich zu regen._)
Der kleine Tau-Mann heiss' ich--kling! Mit Mutter Sonne reis' ich--klang! Von Ost bis Westen weiss ich--kling! Wer faul ist und wer fleissig--klang! Ich komm mit lichtem Sonnenschein und strahl in eure Äugelein, und weck mit kühlem Taue, was schläft auf Flur und Aue. Dann springet auf, wer fleissig zur frühen Morgenstunde, denn sie hat Gold im Munde. Drum, Schläfer, auf, erwachet, der lichte Tag schon lachet!
(_öffnet die Augen, richtet sich halb auf und blickt verwundert um sich, während Hänsel sich auf die andere Seite legt, um weiter zu schlafen_).
Wo bin ich? Wach ich? Ist es ein Traum? Hier lieg' ich unterm Tannenbaum. Hoch in den Zweigen lispelt es leise, Vöglein singen so süsse Weise. Wohl früh schon waren sie aufgewacht und haben ihr Morgenlied dargebracht. Guten Morgen, liebe Vöglein, guten Morgen! (_Sie erblickt Hänsel._) Sieh da, der faule Siebenschläfer! Wart nur, Dich weck' ich! (_Sie bückt sich zu ihm nieder und singt ihm ins Ohr._) Tirelireli, 's ist nicht mehr früh! Die Lerche hat's gesungen und hoch sich aufgeschwungen. (_Aufspringend._) Tirelireli!
(_der während des Liedes erwacht ist, reibt sich die Augen, gähnt, dehnt sich und stimmt, gleichfalls aufspringend, munter in Gretels Weise ein_).
Kikeriki! 's ist noch früh! Ja, hab's wohl vernommen, der Morgen ist gekommen, Kikeriki! Mir ist so wohl, ich weiss nicht wie; so gut wie heute schlief ich nie.
Doch höre nur! Hier unter dem Baum, da hatt' ich einen wunderschönen Traum.
Richtig! Auch mir träumte so was!
Mir träumt' ich hört' ein Rauschen und Klingen, wie Chöre der Engel ein himmlisches Singen; lichte Wölkchen im rosigen Schein wallten und wogten ins Dunkel herein. Siehe, hell ward's mit einem Male, lichtdurchflossen vom Himmelsstrahle; eine goldene Leiter sah ich sich neigen, Englein zu mir herniedersteigen, Engel mit goldenen Flügelein--
(_der ihrer Erzählung mit Zeichen lebhafter Zustimmung gefolgt ist_).
Vierzehn müssen's gewesen sein!
Hast Du denn alles das auch gesehn?
Freilich! 's war halt wunderschön-- Und dort hinaus sah ich sie gehn!
(_Er wendet sich nach dem Hintergrunde. In diesem Augenblick zerreisst der letzte Nebelschleier. An Stelle des Tannengehölzes erscheint glitzernd im Strahl der aufgehenden Sonne das »Knusperhäuschen« am Ilsenstein. Links davon in einiger Entfernung befindet sich ein Backofen, diesem rechts gegenüber ein grosser Käfig, beide mit dem Knusperhäuschen durch einen Zaun von Kuchenmännern verbunden._)
GRETEL (_hält Hänsel betroffen zurück_).
Bleib stehn! Bleib stehn!
(_eine Weile sprachlos vor Staunen_).
Himmel, welch Wunder ist hier geschehn! Nein, so was hab ich mein Tag nicht gesehn!
(_gewinnt allmählich die Fassung wieder_).
Wie duftet's von dorten, O schau nur die Pracht! Von Kuchen und Torten Ein Häuslein gemacht! Mit Fladen, mit Torten ist's hoch überdacht! Die Fenster wahrhaftig wie Zucker so blank, Rosinen gar saftig den Giebel entlang! Und--traun! Rings zu schaun gar ein Lebkuchen-Zaun!
O herrliches Schlösschen, so schmuck du und fein, welch Waldes-Prinzesschen mag drinnen wohl sein? Ach möchte zu Hause die Waldprinzess sein! Bei leckerem Schmause mit Kuchen und Wein sie lüde zur Klause uns beide wohl ein!
HÄNSEL (_nach einer Pause_).
Alles bleibt still. Nichts regt sich da drinnen. Komm lass uns hineingehn!
(_erschrocken ihn zurückhaltend_).
Bist du bei Sinnen? Junge, wie magst du so dreist nur sein? Wer weiss, wer da drin wohl im Häuschen fein?
O sieh nur, wie das Häuschen uns lacht! (_Begeistert._) Die Englein haben's uns hergebracht!
Die Englein?--Ei, so wird es wohl sein!
Ja, Gretel, sie laden freundlich uns ein! Komm, wir knuspern ein wenig vom Häuschen!
Ja, knuspern wir, wie zwei Nagemäuschen!
(_Sie hüpfen Hand in Hand nach dem Hintergrunde, bleiben wiederum stehen und schleichen dann vorsichtig auf den Fussspitzen bis an das Häuschen heran. Nach einigem Zögern bricht Hänsel an der rechten Kante ein Stückchen Kuchen heraus._)
STIMME AUS DEM HÄUSCHEN.
Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?
HÄNSEL (_lässt erschrocken das Stück zu Boden fallen_).
(_hebt das Stück wieder auf und versucht es_).
HÄNSEL (_Gretel begehrlich anschauend_).
GRETEL (_ihn beissen lassend_).
(_legt entzückt die Hand auf die Brust_).
O köstlicher Kuchen, Wie schmeckst du nach mehr! Mir ist ja, als wenn ich im Himmel schon wär!
Hei, wie das schmeckt! 's ist gar zu lecker!
Vielleicht gar wohnt hier ein Zuckerbäcker!
He, Zuckerbäcker, nimm dich in acht, Ein Loch wird dir jetzt vom Mäuslein gemacht!
(_Bricht ein grosses Stück aus der Wand heraus._)
STIMME AUS DEM HÄUSCHEN.
Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?
Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!
(_Der obere Teil der Hausthüre öffnet sich leise, und der Kopf der Knusperhexe wird sichtbar. Die Kinder bemerken sie nicht und schmausen lustig weiter._)
Wart, du näschiges Mäuschen, gleich kommt die Katz' aus dem Häuschen!
Knuspre nur zu und lass mich in Ruh!
(_entreisst ihm ein Stück Kuchen_).
Nicht so geschwind, Herr Wind, Herr Wind!
HÄNSEL (_nimmt es ihr wieder ab_).
Himmlisches Kind, ich nehm, was ich find!
(_Sie lachen beide hell auf. Während des letzten Gespräches ist die Thüre des Häuschens aufgegangen, und die Hexe tritt, von den Kindern nicht bemerkt, daraus hervor, behutsam auf diese zuschleichend. Rasch wirft sie dem ahnungslosen Hänsel einen Strick um den Hals, eben in dem Augenblick, als die Kinder lachen._)
(_Die Kinder blicken sich erschrocken um._)
Lass los!--Wer bist du?
HEXE (_Gretel übers Gesicht streichelnd_).
Engelchen! Und du, mein Zuckerbengelchen! Ihr kommt mich besuchen?--Das ist nett! Liebe Kinder!--So rund und fett!
Wer bist du, Garstige?--Lass mich los!
Na, Herzchen, zier dich nicht erst gross! Wisst denn, dass euch vor mir nicht graul: Ich bin _Rosina Leckermaul_, höchst menschenfreundlich stets gesinnt, unschuldig wie ein kleines Kind. Drum hab ich die kleinen Kinder so lieb, So lieb--ach zum Aufessen lieb!
(_Sie streichelt die Kinder wieder._)
HÄNSEL (_barsch abwehrend_).
Geh!--bleib mir doch aus dem Gesicht! Hörst du? Ich mag dich nicht!
Hihihi! Was seid ihr für leckere Teufelsbrätchen, besonders du, mein herzig Mädchen!
Kommt, kleine Mäuslein, kommt in mein Häuslein! Sollt es gut bei mir haben, Will drinnen köstlich euch laben. Schokolade, Torten, Marzipan, Kuchen, gefüllt mit süsser Sahn', Johannisbrot und Jungfernleder und Reisbrei--auf dem Ofen steht er-- Rosinen, Mandeln und Feigen, 's ist alles im Häuschen eur eigen!
Ich geh nicht mit dir, garstige Frau!-- Du bist gar zu freundlich.
Schau, schau, wie schlau, Ihr Kinder, ich mein's doch so gut mit euch, seid ja bei mir wie im Himmelreich! Kommt, kleine Mäuslein! kommt in mein Häuslein! Sollt es gut bei mir haben, will drinnen köstlich euch laben!
(_Sie will Hänsel fortziehen._)
Was willst du meinem Bruder thun?
Gutes, mein Kind, sehr Gutes! I nun, mit allerhand vortrefflichen Sachen will ich ihn zart und wohlschmeckend machen und ist er dann recht zahm und brav, geduldig und fügsam wie ein Schaf, dann--höre, Hänsel, ich sag dir's ins Ohr: dir steht eine grosse Freude bevor!
So sag's doch laut und nicht ins Ohr! Welche Freude steht mir bevor?
Ach, liebe Püppchen, Hören und Sehn wird euch bei diesem Vergnügen vergehn!
Ei, meine Augen und Ohren sind gut, haben wohl acht, was Schaden mir thut. Gretel, trau nicht dem gleissenden Wort.
Schwesterchen, komm, wir laufen fort!
(_Er hat sich allmählich von der Schlinge befreit und will mit Gretel fortlaufen; sie werden aber von der Hexe zurückgehalten, die gebieterisch ihren Stab gegen die beiden erhebt._)
(_Macht mit dem Stabe die Gebärde des Hexenbannes. Die Bühne verfinstert sich._)
Hocus pocus, Hexenschuss! Rühr dich, und dich beisst der Fluss! Nicht mehr vorwärts, nicht zurück, bann dich mit dem bösen Blick; Kopf steh starr dir im Genick!
(_Neue Gebärde; die Spitze des Stabes fängt an zu leuchten._)
Hocus pocus, nun kommt Jocus! Kinder, schaut den Zauberknopf! Äuglein, stehet still im Kopf!-- Nun zum Stall hinein, du Tropf! Hocus pocus, bonus jocus, Malus locus, hocus pocus!
(_Leitet den starr auf den Knopf blickenden Hänsel zum Stalle und schliesst hinter ihm die Gitterthüre, während Gretel regungslos dasteht. Die Bühne erhellt sich wieder._)
HEXE (_vergnügt zu Gretel_).
Nun, Gretelchen, sei vernünftig und nett! Der Hänsel wird nun balde fett. Wir wollen ihn, so ist's am besten, mit Mandeln und Rosinen mästen. Ich geh ins Haus und hol sie schnell-- Du rühre dich nicht von der Stell!
GRETEL (_starr und unbeweglich_).
Hu--Wie mir vor der Hexe graut!
Gretel! Pst! sprich nicht so laut! Sei hübsch gescheit und gieb fein acht auf jedes, was die Hexe macht. Zum Schein thu alles, was sie will-- da kommt sie schon zurück--Pst! still!
(_dem Hänsel aus einem Korbe Mandeln und Rosinen hinstreuend_).
The libretto for Engelbert Humperdinck's Hänsel and Gretel, written by Adelheid Wette, presents the fairy opera in three acts with facing German and English text. The opening scene immediately establishes the children's hunger and their mother's frustration, with Hänsel making brooms and Gretel knitting stockings. The argument over a jug of milk—"There's a jug of milk that will make nice blanc-mange"—leads to a dance that ends with the children falling exhausted on the floor, a moment that captures the opera's blend of domestic realism and theatrical playfulness.
From Work to Play: The Opening Scene's Rhythms
The first act contrasts labor and leisure through specific actions and dialogue. Gretel knits while Hänsel makes brooms, but both complain of hunger. When Hänsel tastes the milk, Gretel "raps his fingers." The children then abandon work for a dance, with Gretel teaching Hänsel steps. The mother's entrance disrupts this play, and in her anger she knocks over the milk pitcher—a turning point that sends the children to the forest. The libretto's stage directions emphasize physical comedy: the children "whirl around the room and fall exhausted on the floor." This sequence establishes a pattern of tension and release that recurs throughout the opera.
The Forest and the Dream: Act II's Shifting Moods
In the second act, the setting moves to a forest with the Ilsenstein in the background. Gretel makes a garland of wild roses while Hänsel searches for strawberries. The children's play continues as Hänsel crowns Gretel "queen of the wood." The mood shifts at sunset, and the libretto introduces a dream sequence: Gretel describes hearing "a murmuring and rushing, as though the angels in Heav'n were singing." Hänsel interrupts to count "fourteen angels." The stage directions then reveal the Witch's house as mist clears, transforming the forest into a fairy-tale landscape. This transition from playful innocence to supernatural threat is handled through visual and musical cues in the libretto.
Bilingual Structure: German and English in Parallel
The libretto prints German and English on facing pages, allowing comparison of Wette's original lines with the translation. For example, Gretel's dream speech in German includes "lichte Wölkchen im rosigen Schein" (light clouds in rosy glow), while the English renders it as "rosy clouds above me were floating." The translation often expands or condenses: the German "vierzehn müssen's gewesen sein" becomes "Fourteen angels there must have been!" The Dawn Fairy's song, "I'm up with early dawning," uses a different meter than the German "Ich bin der Morgentau." These differences highlight choices in preserving rhyme, rhythm, and meaning across languages.
Stage Directions as Narrative Guides
The libretto's stage directions do more than describe sets; they advance the plot and signal emotional shifts. In Act I, the mother "seizes a basket" and orders the children to pick strawberries. In Act II, the mist clearing reveals the Witch's house "shining in the rays of the rising sun." The directions also indicate character movements: Gretel "holds Hänsel back" when he approaches the house. The final act includes the Dawn Fairy shaking dewdrops from a bluebell over the sleeping children. These instructions, though brief, create a visual framework for the opera's fairy-tale logic, where domestic objects and natural elements carry symbolic weight.
Readers approaching this libretto for the first time may find it useful to read the German and English passages aloud to appreciate the rhythmic differences. The stage directions offer a concise guide to the opera's visual storytelling, while the dialogue reveals how Wette adapted the familiar fairy tale into a three-act structure. Pay attention to repeated motifs—hunger, dancing, dreaming—that link the scenes together.
I’ve spent many afternoons with Humperdinck’s libretto, its German and English lines breathing side by side. There’s a quiet kinship there—how folk tale becomes opera—that reminds me of my worn copy of Wagner and His Music-Dramas — Themes and Context. Both volumes seem to whisper that music carries what words alone cannot hold. A soft companionship, sitting on the shelf together.
Leo Lopez
4 weeks agoLucas Miller
4 weeks ago-
Austin Bernard - 1 month ago
Hansel And Gretel A Fairy Opera In Three Acts offers a complete libretto with stage directions, which is great for studying or staging a production. The story follows the familiar tale closely, and the character development is charming. However, the lack of musical notation means you need to obtain the score separately to fully appreciate it. Still, as a literary piece, it's enjoyable and well-presented. -
Brian Murphy - 3 weeks ago
This libretto is merely a shell of the opera, providing only the text without the integral music. As a standalone read, it lacks the emotional depth that Humperdinck's score brings. The dialogues feel disjointed without the musical context, making it hard to follow for those unfamiliar with the opera. If you're looking for a complete experience, you'd be better off with a full score or a recording. Not recommended for casual readers. -
Jennifer Angela Moreno - 2 weeks ago
This charming opera adaptation of Hansel and Gretel captures the magic of the original fairy tale. The libretto is delightful, with singable lyrics and engaging dialogue that bring the story to life. The music, though not notated in this edition, is described vividly, allowing you to imagine the scenes. It's a wonderful addition to any opera lover's collection, providing insight into the structure and artistry of a classic children's opera.
How will you remember this book?
Save your reaction, strongest insight, and memorable passage.
Theodore Robinson
1 week ago